„Ihr sorgt für Teilhabe und Miteinander”: Alliance4Ukraine zieht nach vier Monaten Zwischenbilanz

Berlin, Juli 2022. Gut vier Monate sind seit Gründung der Alliance4Ukraine vergangen: Was wurde erreicht? Welche wichtigen Erkenntnisse gibt es und wie geht es weiter? Bei der digitalen Zwischenetappe am 6. Juli tauschten sich zahlreiche Beteiligte und Unterstützer:innen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und von staatlicher Seite aus.

Wie können wir jetzt sinnvoll helfen? Das fragten sich das Team von ProjectTogether und viele weitere zivilgesellschaftliche Organisationen, als sie wenige Tage nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine zu diesem Thema erstmals digital zusammenkamen. Schnell entwickelte sich ein Bündnis, das Stand Juli exakt 431 Organisationen aus Zivilgesellschaft, Stiftungen, staatlichen Einrichtungen und Unternehmen umfasst: Alliance4Ukraine.

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Wir haben unbürokratisch und schnell geholfen. Das war möglich, weil wir eine starke Allianz gebildet haben: Staat und Gesellschaft, Haupt- und Ehrenamt. An den Bahnhöfen und in den Notunterkünften, in den Unternehmen und Gewerkschaften und Kirchen. Dafür leistet Ihr herausragende Arbeit. Die Alliance4Ukraine vernetzt die vielen Angebote. Ihr lenkt Ressourcen, Zeit und Engagement in die richtigen Bahnen.

Reem Alabali-Radovan Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Integration und Flüchtlinge, Schirmherrin der Alliance4Ukraine

In 19 Handlungsfeldern - zu Themen wie Unterkunft, Rechtsberatung, Bildung und humanitäre Hilfe - leisten die Mitgliedsorganisationen der Alliance4Ukraine nicht nur dringend gebrauchte Hilfe für Geflüchtete, sondern überwinden auch Grenzen zwischen Fachbereichen, gesellschaftlichen Sektoren, ihren Denk- und Handlungsweisen. Ein breites und vielfältiges Engagement, von dem die für Aufnahme und Integration verantwortlichen Stellen profitieren, wie Schirmherrin Reem Alabali-Radovan in einer Videobotschaft anerkannte.

Die Alliance4Ukraine als Türöffner

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Es ist eindrucksvoll, was Sie alles auf die Beine gestellt haben. Es gibt noch ganz viel Potential für diese koordinierende Rolle, die Sie mit großem Einsatz und Professionalität ausgefüllt haben.

Juliane Rapp-LückeLeiterin des Referats „Ehrenamt und Bürgerschaftliches Engagement” im Bundesministerium des Innern

Von Bundesseite würdigte auch Juliane Rapp-Lücke, Leiterin des Referats „Ehrenamt und Bürgerschaftliches Engagement” im Bundesinnenministerium (BMI), die Arbeit aller Mitglieder der Alliance4Ukraine. In ihren Worten an die Alliance4Ukraine-Community hob Rapp-Lücke den Mut zum schnellen Handeln hervor sowie die Bedeutung von Netzwerken, in denen Beteiligte aus Zivilgesellschaft und Staat sich als Mitstreiter:innen verstünden. Viele Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ministerien Behörden seien an der Arbeit der Alliance4Ukraine interessiert. Eine feste Kooperation besteht bereits zwischen Beteiligten des Handlungsfelds Arbeitsmarkintegration und der Bundesagentur für Arbeit. Steffen Sottung, der dortige Leiter der Koordinierungsstelle Ukraine befand: „Wenn wir aus der letzten Flüchtlingskrise eines gelernt haben, dann dass die verschiedenen Player zusammenarbeiten müssen. Die Alliance war hier ein Türöffner für uns.”

Fazit nach zahlreichen Gesprächen während des Round Tables: Es braucht die enge Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Staat, denn Lösungen und hilfreiche Ansätze müssen ineinandergreifen. So können sie auch dauerhaft wirken. Das erste Zusammentreffen dieser Art ist ein wichtiges Zeichen der Bundesregierung.

25.000 Menschen in 10 Städten bei Begegnungstagen „Leuchtturm Ukraine”

Aus zivilgesellschaftlicher Perspektive blickten Nataliya Pryhornytska von der Allianz Ukrainischer Organisation und Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal auf die Arbeit mit der Alliance4Ukraine zurück. Ein Highlight waren die gemeinsam organisierten Begegnungstage „Leuchtturm Ukraine” in Berlin. Das Format wurde schnell in anderen Städten übernommen und zog über 25.000 Menschen - Geflüchtete wie Helfende - an.

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Nichts ist gefährlicher als Kriege, an die wir uns gewöhnen.

Düzen TekkalGründerin von GermanDream und HÁWAR.help, Mitinitiatorin von Leuchtturm Ukraine
„Leuchtturm Ukraine” am 8. Mai 2022 in Berlin: Yulia Loeva, Düzen Tekkal, Nataliya Pryhornytska, Philipp von der Wippel, Bundesfamilienministerin Lisa Paus, Henrike Schlottmann, Holger Michel (von links nach rechts). Foto: David Fischer.

Düzen Tekkal appellierte daran, die „Power” der Zusammenarbeit, gerade mit den von Krieg und Flucht betroffenen Menschen aufrechtzuerhalten - ob aus der Ukraine Afghanistan, Pakistan oder dem Irak. „Opferkonkurrenz” dürfe nicht entstehen, strukturelle Probleme gelte es zu überwinden. „Wir müssen Antworten entwickeln für Flucht und Migration.”

Fazit nach zahlreichen Gesprächen während des Round Tables: Es braucht die enge Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Staat, denn Lösungen und hilfreiche Ansätze müssen ineinandergreifen. So können sie auch dauerhaft wirken. Das erste Zusammentreffen dieser Art ist ein wichtiges Zeichen der Bundesregierung.

Alliance4Ukraine: Ein eigenes Förderinstrument für schnelle kollektive Finanzierung

Ein Teil des Erfolgs der Alliance4Ukraine beruht auf einem eigens geschaffenen Förderinstrument, der Alliance4Ukraine Fund. „Die Strukturen müssen schnell hochgefahren werden, da darf es keine langen Förderanträge geben”, beschrieb Philipp von der Wippel von ProjectTogether den Leitgedanken als der Fund mit dem Ziel entstand, rasch und unkompliziert bewährte Lösungen finanziell zu unterstützen. Markus Hipp, Vorstandsmitglied der BMW Foundation ergänzte: „Niemand wäre alleine mit den eigenen Governance-Strukturen in der Lage gewesen, so qualitative Entscheidungen zu treffen. Die gemeinsame Haltung macht den Unterschied.”

Zwei Millionen Euro Budget konnte der Alliance4Ukraine Fund bis jetzt bündeln, wovon 1,3 Millionen Euro bis jetzt ausgezahlt wurden.

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Der Fund ist ein Beispiel für kollektives Finanzieren. Viele haben sich zusammengeschlossen und haben gesagt: Wir machen nicht alleine ein Förderprogramm, wir bündeln unser Geld für die Alliance4Ukraine, denn hier sehen wir: Wo ist welches Geld gerade am meisten gebraucht? Wo ist es am effektivsten und wo kann es die größte Hebelwirkung haben?

Philipp von der Wippel Gründer und Co-Geschäftsführer von ProjectTogether​

Die Spenden wirkten nicht nur direkt bei der Deckung akuter Bedarfe, sondern wirkten auch als Hebel für weitere Förderungen - wie das Beispiel der Optima School und zuletzt die gemeinsame Spende des Bundesarbeitgeberverband Chemie BAVC und die Chemie-Gewerkschaft IGBCE zeigten (Link zur Pressemitteilung).

Übersicht über die Verwendung der Mittel aus dem Alliance4Ukraine Fund (Stand 06.07.22)

Im Mittelpunkt der Zwischenetappe stand die Arbeit in den 19 Handlungsfeldern. Vertreter:innen von hilfeleistenden Organisationen boten Einblicke in Ergebnisse und Entwicklungen. Eine Auswahl:

  • 20 Feuerwehrfahrzeuge und Equipment konnten von @fire in die Ukraine überführt werden
  • Ipso-Care bildete zahlreiche ukrainische Psycholog:innen zur Unterstützung von Geflüchteten und Helfenden aus
  • Ein digitaler Entscheidungsbaum für Geflüchtete zur einfachen Deckung medizinischer Bedarfe wurde entwickelt
  • Das Sozialunternehmen Wellcome konnte mit Familienberatung und Sachmitteln 1.000 Kinder unterstützen
  • 15 Online-Schulungen mit 1.500 Teilnehmenden klärten Fragen zur rechtlichen Situation von Geflüchteten
  • Das Tubman Network, ein Bündnis von 40 BIPoC Organisationen für die Unterbringung und Versorgung von 2.000 Menschen aus sog. Drittstaaten, wurde geschaffen
  • United for Ukraine und Unterkunft Ukraine erhielten finanziellen Support und Unterstützung durch Vollzeitkräfte
  • Mehrere Kommunale Fachaustausche fanden statt, etwa zum Thema Kinderbetreuung mit 450 Teilnehmenden

Neues Programm der DSEE fördert intersektorale Netzwerke

Katarina Peranić, Vorständin der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE), stellte das neue, 15 Millionen umfassende Förderprogramm der Stiftung vor. „Ehrenamt hilft gemeinsam” heißt das gemeinsam mit dem BMI entwickelte Programm, das Werte und Wirkungslogik der Alliance4Ukraine aufgreift. So werden erstmalig seitens der DSEE auch sektorenübergreifende Netzwerke gefördert: Mittel beantragen können zivilgesellschafte Akteur:innen, die vor Ort Engagementstrukturen und Hilfeleistungen zusammenführen und koordinieren und mit mindestens einer:einem Partner:in aus Wirtschaft, Wissenschaft oder aus der Kommune und Verwaltung zusammenarbeiten.

Fokus auf Schaffen und Stärken von Kooperationen

„Wir verstetigen die Alliance4Ukraine” kündigte zum Abschluss das Team von ProjectTogether an. Was sich in den letzten Monaten bewährt habe, werde nun konsequent fortgesetzt und vertieft: das Schaffen und Stärken wirksamer Kooperationen. „Alle vier Wochen werden Schwerpunkte gesetzt und Hebel identifiziert. Wir werden mit unseren Kapazitäten die größten Wirkungspotentiale in Kooperationen verwirklichen.” Das passiere weiterhin durch koordinierende Arbeit - aber auch bei Bedarf durch operative Unterstützung.

Text: Johannes Tödte, Teresa Rodriguez

 

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