Green New Deal | #ClimateActionChallenge

Green New Deal | #ClimateActionChallenge

Wir haben mit der #ClimateActionChallenge Projekte gesucht und gefunden, die Antworten auf die Frage „Wie?“ wir das alles lösen geben. In den kommenden Wochen werden wir euch 8 dieser Lösungsansätze, ihre Ziele und auch die Gründer*innen dahinter vorstellen. Seid gespannt und freut euch auf spannende Einblicke in die Welt derer, die heute im Tun testen, wie die Gesellschaft von Morgen aussieht.

Teil 4: Green New Deal

Dieses Interview wurde von Nicolas Kleenworth mit Johanna Grimm und Robert Peter, den Gründer*innen von Green New Deal geführt. Green New Deal ist Teil unserer #ClimateActionChallenge. 

Nicolas

Was ist euer Projekt?

Robert:

Unser Projekt heißt Green New Deal. Der Green New Deal ist bekannt, gerade aus den USA und durch AOC (Alexandria Ocasio-Cortez). Es ist ein politisches Programm, gedacht als Zukunftsprogramm, dass die sozial ökologische Transformation der Gesellschaft zum Ziel hat und damit maßgeblich bestimmen soll, wie wir in Zukunft leben. In der EU ist der Green Deal mit Frans Timmermans besetzt, da fehlt das Wörtchen „Green“, aber es ist im Prinzip das Gleiche, es geht um die Zukunft und wie wir leben wollen.

 

Johanna:

Aus unserer Sicht ist ein Green New Deal die einzige Möglichkeit für eine lebenswerte Zukunft. Deshalb haben wir uns überlegt, wie wir am Green New Deal anknüpfen können und diese Vision einer sozial ökonomischen Transformation auf die Lebensrealität der Menschen übertragen können.

 

Robert:

Der Schlüssel zu einer lebenswerten Zukunft ist dieses Zukunftsprogramm, was bedeuten soll, dass die Zukunft uns allen gehört und wir alle daran mitgestalten sollen. Was lebenswert ist, haben die Vereinten Nationen schon mit den SDGs definiert.

 

Johanna:

Wir sind davon überzeugt, dass in jeder Nachbarschaft, in jeder Region, mindestens ein Mensch wohnt, der das Bedürfnis verspürt, die eigene Lebenswelt sozial, gesund und nachhaltig zu gestalten. Diese Menschen wollen wir empowern. Dazu gehört, den einzelnen Menschen aufzuzeigen, welche Talente sie besitzen, welche Reichweite sie haben und, dass das, was sie tun oder sagen, wichtig ist und auch Gehör bekommt.

 

Robert:

Am Wichtigsten ist es uns, dass wir ihnen zeigen, dass sie selber Talente besitzen. Die Überforderung, die viele spüren, wenn man daran denkt, etwas zu verändern, kenne ich auch von meinen Eltern. Die muss aber nicht sein, es ist so viel schöner loszulegen, anstelle sich aufzuregen. Wir gehen immer vom System der Nachbarschaft aus. Dort wollen wir die Menschen empowern.

 

Robert:

Gerade arbeiten wir an einem ersten Versuch, wie das ganze funktionieren könnte. Die mittelfristige Idee ist es, nicht nur einzelne Personen zu empowern, sondern ihnen einen fertigen Baukasten an die Hand geben zu können. Diese Baukästen sind andere Projekte, die ihr Wissen teilen, weil sie nicht das Ziel haben, Marktführer zu werden, sondern einfach wollen, dass es gemacht wird.
Unser Service an die Menschen soll sein, dass wir ihnen einerseits zeigen, dass sie Talente haben und wie sie sie nutzen können. Andererseits wollen wir ihnen Methoden zur Kommunikation und Organisation an die Hand geben. Wir sehen uns auch als Ansprechpartner, der bei Fragen zur Seite steht und gegebenenfalls auch mit unterstützt.

 

Noch mal zurück zu den Nachbarschaften: Wie definiert ihr eine Nachbarschaft? Ist das ein Haus, ein Straßenzug oder sollen die Menschen das für sich selber definieren?

 

Johanna:

Das ist etwas, was die Menschen selber definieren. Für mich umschließt Nachbarschaft ganz klar einen Straßenzug, eine Hausgemeinschaft, ein Stadtviertel vielleicht sogar…

 

Robert:

Wir haben gerade beim deutschen Nachbarschaftspreis, ein Beispiel aus Leipzig gesehen. Dort hat eine Nachbarschaft, in dem Fall ein Haus, angefangen Projekte und Kulturräume zu schaffen, also Zusammenleben gestaltet. So etwas strahlt dann auch auf die umliegenden Häuser aus und auf einmal ist die Nachbarschaft gewachsen. Das ist etwas Schönes, weil das System der Nachbarschaft einfach wachsen kann. So ist das in Großstädten. Wenn ich an mein Heimatdorf in Hessen, denke, da beinhaltet Nachbarschaft mehrere Straßenzüge. Wenn dort die Nachbarin Geburtstag hat, dann fragt man nach in welcher Straße.

 

Wie stellt ihr euch die Aktivierung dieser Nachbarschaft vor? Mit einer Person die Lust hat und dann in euer Programm eintritt?

Johanna:

Bisher stellen wir uns vor, dass die Aktivierung von beiden Seiten ausgeht. Einzelne Menschen, die Lust und das Bedürfnis haben ihre Nachbarschaft zu gestalten, kommen auf uns zu und wir vernetzen diese vielleicht schon mit bestehenden Projekten oder Ideen, die noch auf ihre Umsetzung warten. Gleichzeitig gibt es auch die andere Seite und zwar Projekte, die noch Mitstreiter*innen suchen.

 

Robert:

Wir suchen nicht nur Leute, die motiviert sind, sondern auch welche, die schon eine Idee haben. Wir sind überzeugt davon, dass am Ende alles miteinander verknüpft ist. Wir glauben, dass eine gesunde Nachbarschaft auch eher dazu bereit ist CO₂ neutral zu leben. Im Green New Deal heißt es: Die Menschen sollen ihren eigenen Lebensraum so gestalten, wie sie ihn haben wollen. Das beginnt dann nicht mit dem Bekenntnis zum Autofahren, weil man zur Arbeit kommen muss, sondern es beginnt vor der eigenen Haustür und mit der Frage: „Wie möchten wir in dieser Nachbarschaft zusammenleben?“. Und, wir denken, dass wenn man die Menschen an der richtigen Stelle mit dieser Frage konfrontiert, bekommt man auch eine Antwort und aktiviert so die Nachbarschaft.

Gut, dass du nochmal auf den Green New Deal zurückgegangen bist. Denn, wenn ich an AOC denke, dann ist das ein allumfassendes Reformpaket, mit Energiegesetz und so weiter. Ist das bei euch auch geplant oder wollt ihr unter dem Label „Green New Deal“, die „Wie wollen wir zusammenleben?“ Frage zu beantworten.

 

Robert:

Wir möchten das übersetzen und nicht darauf warten, bis der Green New Deal für Europa da ist. Wir wollen damit anfangen, es umzusetzen. Einerseits sorgen wir so dafür, dass Druck entsteht, dass so ein Plan auch für Europa und die Welt geschrieben wird und andererseits dieser Plan bei den Menschen auch Akzeptanz findet.

Es geht uns darum, dass Nachbarschaften die Menschen wieder zusammenbringen sollen. Wir leben in einer Gesellschaft gerade mit vielen Extremen. Wir haben Menschen, die sich abkapseln, welche, die erstmal nur verurteilen, egal aus welcher Richtung Vorschläge kommen. Wir hoffen, dass sich die Menschen wieder begegnen und miteinander reden. Das gegenseitige Verstehen hemmt extreme Meinungen. Ich glaube, dass das ein Weg sein könnte, damit das Grundrauschen der Aggressivität ein bisschen abnimmt.

 

Johanna:

Ich glaube, dass die Debatte zum Klimawandel, die Gesellschaft spalten kann. Außerdem glaube ich, dass die Vorstellung eines Green New Deals, was das ist und wie das aussehen kann, extrem abstrakt sein kann. Durch die Nachbarschaftsprojekte erhoffen wir uns, dass die Menschen wieder zusammengebracht werden.

 

Robert:

Dadurch wird es etwas für alle und nicht nur für wenige.

 

Wer seid ihr und was treibt euch an?

 

Johanna:

Ich bin Johanna und studiere Integrated Natural Resource Management im Master. Davor habe ich mich mit solidarischer Ökonomie auseinandergesetzt und mir angeschaut, wie solidarische Projekte, zum Beispiel in Nachbarschaften, es schaffen, sich in einem kapitalistischen Umfeld zu behaupten.

Ich beschäftige mich schon länger mit dem Thema nachhaltige Gesellschaft sowie mit der Frage, was ein Green New Deal ist. Und wie wir zusammenleben wollen. Das ist auch, was mich antreibt. Ich glaube, dass es auch ein Werkzeug ist, dass man einzelnen Menschen an die Hand geben kann, womit diese sich einbringen können und aktiv werden etwas zu gestalten und nicht dabei zusehen, wie andere das machen.

 

Robert:

Ich bin Robert. Ich habe relativ lange studiert, ohne zu wissen, wohin ich möchte. Dann bin ich auf Menschen getroffen, die mich sehr stark inspiriert haben. Daraufhin habe ich angefangen aktiv zu werden und setzte mich seitdem für das Freeinterrailprojekt ein und bin Europaaktivist.

Außerdem habe ich verschiedene Gruppen mitinitiiert und Aktionen geplant und organisiert. Dadurch wurde mir klar, dass ich Veränderung möchte. Nach der Europawahl im letzten Jahr war mir klar, dass es um den Green New Deal gehen muss. Es geht nicht mehr um einzelne Maßnahmen, sondern um eine Vision, wie wir in Zukunft zusammenleben wollen. Das hat Johanna eben schon gut beschrieben. Es geht darum, dass wir die letzte Generation sind, die die Welt retten und die erste, die es vermasseln könnte könnte. Und die wissenschaftliche Lage ist eindeutig, wir wissen, was Sache ist. Das ist es auch, was mich am meisten antreibt und was ich am meisten erfahren habe, bei meinen Aktivitäten, wie der European May, dass man durch das eigene Machen Dinge besser versteht. Ich wusste vorher schon, dass es sowas braucht, wie eine europäische Gruppe, weil die europäische Gesellschaft als solches nicht sichtbar ist. Dadurch, dass ich etwas zusammen Menschen gemacht habe, habe ich mich viel stärker gefühlt und bin noch überzeugter von dem, was wir da gemacht haben.

Und, wenn wir den Menschen zeigen, dass es sich lohnt, sich einzubringen und aktiv zu sein, dann haben wir eine ziemlich geile Zukunft vor uns.

 

Du (Robert) hast eben gerade erwähnt, dass du schon vorher mitgegründet/mitinitiiert hast. Trifft das auch auf dich zu, Johanna?

 

Johanna:

Ich habe noch nie etwas gegründet, aber schon Uniprojekte mitinitiiert. Außerdem war ich in der Schulzeit schon politisch engagiert und in der Schülervertretung. Während des Bachelors habe ich dann im Start-up Inkubator Berlin gearbeitet und mich dort mit ganz vielen Start-ups beschäftigt und diese in ihrer Gründung administrativ unterstützt.

 

Also kann man davon ausgehen, dass ihr beide ein bisschen Gründungserfahrung habt. Wie unterscheidet es sich, wenn man mit ProjectTogether, beziehungsweise innerhalb der #ClimateActionChallenge, gründet von euren bisherigen Gründungserfahrungen, gibt es einen Unterschied?

 

Johanna:

Es gibt auf jeden Fall einen Unterschied. Wir reden immer über Kooperationen, Vernetzung und darüber, wie man Synergien schafft, aber in den einzelnen Gründungen passiert dann relativ wenig davon.
Der größte Unterschied ist, dass bei ProjectTogether diese Kooperation wirklich gelebt wird. Mit den ganzen Community Calls, aber auch in den Facebook Gruppen, den Slack Zugängen. Wenn ich eine Frage habe, dann kann ich die einfach stellen und jemand beantwortet die dann. Da geht es um Steuerfragen, Ressourcen und so weiter…

 

Robert:

Oder sogar das Sofa… Also wir waren im September, im Rahmen eines CXCs, in Brandenburg und jetzt, Mitte November, waren schon dreimal Leute in Berlin und haben bei mir auf dem Sofa übernachtet.

Und es ist jedes Mal, wenn man Gleichgesinnten begegnet so, dass einerseits das gegenseitige Befruchten von Ideen beginnt, aber auch andererseits so, dass es einfach ein schönes Gefühl gibt, weil man weiß, dass man nicht alleine kämpft. Das ist für mich der größte Unterschied, den ich spüre und fühle. Wir sind ein großes Team.

Bisher musste ich immer gegen Strukturen kämpfen, weil ich etwas besser machen wollte und es Menschen gab, die etwas dagegen hatten. Gerade im politischen Kontext ist es so, dass, wenn man versucht etwas zu verändern, das die größte Hürde ist. Es ist aber nicht so, dass man den Kampf nicht eingehen muss, aber es ist hier angenehmer, schöner und mit viel mehr Spaß verbunden. Zwar ist man müde, aber doch fitter.

Liegt es daran, dass die anderen auch müde sind oder weil man gemeinsam an etwas arbeitet?

 

Johanna:

Es gibt Energie zu sehen, dass es so viele Menschen gibt, die richtig Lust haben etwas zu bewegen.

Noch einmal zurückommend auf den systemsichen Ansatz. Bitte vervollständigt den folgenden Satz: Wenn alle in eurem Green New Deal mitarbeiten, dann…

Johanna:

Nun, im Endeffekt haben wir viele verschiedene Projekte, die in ihrer Gesamtheit ein Konzept eines gesellschaftlichen Green New Deals verkörpern und somit diesen, sehr politischen, Begriff gesellschaftlich besetzten.

 

Was ist der Unterschied zwischen gesellschaftlich und politisch?

 

Robert:

Aktuell ist der Eindruck, dass die Politik den Status Quo verwaltet und die Gesellschaft das zum Teil hinnimmt, zum anderen Teil sich polarisiert. Wenn die Gesellschaft sagt und definiert, wie sie leben und miteinander umgehen will, dann treibt sie die Agenda voran. Wenn alle beim Green New Deal mitarbeiten, dann stellen wir die Konsumgesellschaft auf den Kopf, sie wird zu einer Machergesellschaft, einer Gesellschaft der Gestalterinnen und Gestalter. Das bedeutet, dass Menschen anfangen ihren eigenen Lebensraum zu gestalten. Das fängt nicht mit Solarpanels an und hört auch nicht bei der Frage auf, wie alte und junge Menschen zusammenleben, sondern es geht auch darum, was Ästhetik oder Architektur ist.

 

Johanna:

Wir haben durch den Green New Deal eine praktische Antwort, wie wir zusammenleben wollen und nicht mehr nur eine theoretische.

Da ist mir tatsächlich noch eine letzte Frage eingefallen. Was ist eure Vorstellung des Zusammenlebens?

Robert:

Meine Vorstellung vom Zusammenleben ist, dass man sich beteiligt darf und dazu eingeladen ist sich zu beteiligen, dass man sich austauscht und, dass man über Dinge spricht, die einem im Lebensalltag betreffen, statt sich darüber aufzuregen.

 

Johanna:

Zusammenleben hat für mich ganz viel damit zu tun, gehört zu werden. Wenn ich in einer Hausgemeinschaft wohne, dann möchte ich, dass man allen zuhört und alle in die gemeinsamen Entscheidungen mit einbezieht. Ich möchte mich mit den anderen Menschen zusammentun und gemeinsamen Probleme zusammen angehen.

Wir haben die Möglichkeit etwas zu ändern.

Titelbild Privat, Bearbeitung: Nicolas Kleenworth

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