Compensators* e.V. | #ClimateActionChallenge

Compensators* e.V. | #ClimateActionChallenge

Wir haben mit der #ClimateActionChallenge Projekte gesucht und gefunden, die Antworten auf die Frage „Wie?“ wir das alles lösen geben. In den kommenden Wochen werden wir euch 8 dieser Lösungsansätze, ihre Ziele und auch die Gründer*innen dahinter vorstellen. Seid gespannt und freut euch auf spannende Einblicke in die Welt derer, die heute im Tun testen, wie die Gesellschaft von Morgen aussieht.

Teil 3: Compensators* e.V.

Dieses Interview wurde von Nicolas Kleenworth mit Hendrik Schuldt, Vorstandsmitglied von Compensators* e.V. geführt. Compensators* e.V. ist Teil unserer #ClimateActionChallenge

 

Was ist Compensators*, wer seid ihr und was macht ihr?

Hendrik:

Compensators* e.V. ist ein ehrenamtlicher Verein, der seit 2006 die Kompensation von CO2-Fußabdrücken über das Europäischen Emissionshandelssystem (EU ETS) anbietet. Mittels Spenden kaufen wir Emissionshandelszertifikate um diese dauerhaft stillzulegen. Diese können dann nicht mehr von Europäischen Unternehmen zur Abdeckung ihrer Emission verwendet werden, sodass sie ihren Schadstoffausstoß reduzieren müssen. Jedes von uns stillgelegte Zertifikat verringert den CO2-Ausstoß innerhalb Europas um eine Tonne.

Weiterhin betreiben wir Aufklärungs- und Bildungsarbeit zum EU ETS, dem nach wie vor relativ unbekannten primären Klimaschutzinstrument der Europäischen Union. Das uns durch die Spenden verliehene Stimmgewicht setzen wir im Rahmen unseres Campaignings für eine ambitionierte und gerechte Klimapolitik in Europa ein.

Ursprünglich von Wissenschaftlern des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) ins Leben gerufen, arbeitet mittlerweile ein breites Spektrum von Freiwilligen für unsere Mission.

 

Hat Compensators* noch immer eine starke Bindung an den Wissenschaftssektor?

Ja. Unsere Methode zur Kompensation ist wissenschaftlich fundiert, integriert neuste Gesetzesänderungen und berücksichtigt die Ergebnisse aktueller wissenschaftlicher Diskurse und Publikationen. Dies ist notwendig, da wir innerhalb des sehr komplexen Systems des Europäischen Emissionshandel agieren und immer sicherstellen müssen, dass eine über Compensators* stillgelegte Tonne auch garantiert eine Tonne weniger in der Atmosphäre bedeutet. Wir leben von dem Vertrauen unserer Spender in unsere Expertise und bauen diese kontinuierlich aus.

 

Ihr existiert schon seit 2006, wieviel CO konntet ihr denn schon dem Markt entziehen? 

Etwas über 18.000 Tonnen. Auf unserer Website veröffentlichen wir regelmäßig Aktualisierungen in unserm Carbon Counter. Das klingt nach viel, muss aber im Verhältnis betrachtet werden: Die Obergrenze für Emissionen innerhalb des EU ETS im Jahr 2020, also die neu in Umlauf zu bringende Emissionszertifikate belaufen sich auf über 1,8 Milliarden. Da sind wir also wirklich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Natürlich zählt letzten Endes jede Tonne, auch jede durch uns vermiedene Tonne. Aber wir wollen wachsen um in Zukunft noch mehr Wirkung entfalten zu können und den Europäischen Politikern ein Signal zu senden, dass die Europäer ein großes Interesse an ambitionierter Klimapolitik haben und auch die Zahlungsbereitschaft mitbringen, diese umzusetzen.

 

Wie genau funktioniert das Kaufen und dann dem Markt entziehen von CO Zertifikaten? 

Der Kompensationsmechanismus von Compensators* unterscheidet sich wesentlich von den Mechanismen anderer Akteure die ausschließlich Offsetting Zertifikate generieren. Compensators* kauft Verschmutzungsrechte aus dem EU ETS und entzieht diese permanent dem Markt. Da die Anzahl der im EU ETS verfügbaren Verschmutzungsrechte gedeckelt ist, verkleinern die von Compensators* gekauften Verschmutzungsrechte die Menge an Verschmutzungsrechten die den Unternehmen zum Abdecken ihrer Emissionen zur Verfügung steht. Damit wird für jedes von Compensators* gekaufte Verschmutzungsrecht eine Tonne CO2 weniger durch die Unternehmen im EU ETS ausgestoßen, wir senken den maximal zulässigen CO2-Ausstoß der Europäischen Industrie.

Ein Vorteil unserer Methode ist, dass wir dafür sorgen, dass Emissionen gerade da, wo die pro-Kopf Werte am höchsten sind, vermieden werden. Gerade auch im Vergleich zu den klassischen Offsettingdienstleistern, deren Minderungsprojekte zumeist im globalen Süden stattfinden. Bei uns geht es, zum Beispiel, nicht um eine südostasiatische Kleinbauernfamilie, die weniger Feuerholz verwendet, weil sie einen Solarofen benutzt, sondern es geht um die Geschäftsmodelle der Großverschmutzer in Europa. Wenn Compensators* mit Hilfer seiner Spender zu einer Verknappung von Verschmutzungszertifikaten und damit zu einer Steigerung des Zertifikatspreises beiträgt, unterstützen wir den ökonomischen Anreiz der europäischen Unternehmen auf klimafreundliche Technologien zu setzen. Wir müssen vor unserer eigenen Haustür kehren. Wenn wir unsere Wirtschaftsstrukturen nicht nachhaltig umbauen, dann ist es letzten Endes auch egal, was die Kleinbauernfamilie in Südostasien macht.

 

Bist du auf die Methode gekommen oder bist du erst seit kurzem dabei? Kurz: Wer bist du?  

Ich bin Umweltökonom am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und seit 2017 Vereinsmitglied, seitdem sehr aktiv und mittlerweile auch im Vorstand. Auf Compensators* bin ich aufmerksam geworden, da ich genau dieses Konzept, Kompensation innerhalb des europäischen Emissionshandels, als eine Geschäftsidee hatte. Ich war unzufrieden mit den Angeboten der klassischen Offsetting-Dienstleister und habe mich gefragt warum niemand die Kompensation durch Verschmutzungszertifikate aus dem EU ETS anbietet. Bei einer Marktrecherche bin ich auf Compensators* gestoßen.

 

Das Coaching war nicht der Grund, weswegen du dich bei ProjectTogether angemeldet hast, oder? Was waren deine Gründe? 

Genau, hauptsächlich ging es mir darum, die Community und die Gründer*innen kennenzulernen, was ja gleichzeitig auch immer die Bekanntheit und Reichweite des eigenen Projekts steigert. Für einen ehrenamtlich arbeitenden Verein sind probono Dienstleistungen von Experten von unschätzbarem Wert. Zumeist haben wir nicht das Geld uns diese einzukaufen. So sind wir beispielsweise mittlerweile in einem probono Rechtsberatungsprogramm einer großen Kanzlei untergekommen und werden demnächst Antwort auf eine sehr drängende rechtliche Frage erhalten. Gerade haben wir auf der Social Accelerator Plattform von ProjectTogether eine Anfrage für einen Rechtsexperten für ein weiters Thema gestellt. Zudem haben wir über ProjectTogether Verbindung zu Goodpatch aufgenommen und an deren Producthour teilgenommen. Dergleichen hilft uns ungemein.

Bevor wir zum Ende kommen, habe ich noch einen Satz, den du mir vervollständigen darfst: Wenn alle Menschen in meinem Sektor (z.B.: Verkehr, Industrie, Touristik) meine Lösung anwenden, dann…

Unser Konzept ist sektorübergreifend. Daher würde ich sagen, dass, wenn alle unsere Lösung anwenden, wir auf einem ambitionierteren Emissionsreduktionspfad sind, als es bisher durch die Gesetzgebung vorgesehen ist. 

 

Hast du noch einen Tipp, den du jemandem geben könntest, der jetzt gerade über eine Gründung nachdenkt? 

Eine Gründung mit einem Klimaschutzprojekt? Macht schnell. Es ist ein guter Zeitpunkt und das Einsammeln von Geldern scheint derzeit vergleichsweise einfach.

Titelbild: Samuel Groesch, Bearbeitung: Nicolas Kleenworth

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